Liebe Anwesende hier im Saal und auf der Tribüne
Ich beginne mein Votum gleich mit einem grossen Dank. Der Dank geht zum einen an euch Parlamentarier*innen, dass ihr das Postulat zur Prüfung an den Stadtrat überwiesen habt. Ebenso bedanke ich mich beim Stadtrat und den Mitarbeitenden der Verwaltung, welche die Umsetzung des Inklusions-Checks in die Hand genommen haben. Ein besonderer Dank geht nicht zuletzt an die Organisation Sensability und an die zahlreichen betroffenen Menschen und Angehörigen, welche beim runden Tisch teilgenommen haben. Sensability hat die Stadt bei der gesamten Durchführung des Inklusions-Checks mit ihrer grossen Erfahrung und hoher Professionalität unterstützt.
Der Runde Tisch war ein Element vom Inklusions-Check, an dem Betroffene, Angehörige, Mitarbeitende der Verwaltung und weitere am Thema interessierte Personen teilgenommen haben. Ich war selbst auch anwesend und war sehr beeindruckt von der Offenheit, wie die betroffenen Menschen und Angehörigen über ihre Schwierigkeiten mit den diversen Hürden in ihrem Alltag berichtet haben. Auch ihr grossen Engagement und ihren Umgang einen Weg zu finden mit den für sie sehr mühsamen Hindernissen, waren für mich sehr eindrücklich.
Zentral dabei war das Zusammenspiel der Seite der Mitarbeitenden aus der Verwaltung und den Bedürfnissen der Menschen mit einer Beeinträchtigung. Ich erlaube mir zwei Beispiele zu nennen: Solange keine Menschen mit einer Beeinträchtigung einen Lift im Schwimmbad Meierwiesen fordern, damit sie ebenfalls im Wasser schwimmen können, solange sieht man auch keinen Bedarf einen Lift anzuschaffen. Oder wenn die Signalisation bei Baustellen so wie immer angeschrieben ist, war die Meinung, müsste die Information doch reichen. Das Verständnis, dass trotzdem Handlungsbedarf besteht und die Kommunikation angepasst werden müsste, resp. zum Beispiel ein Behinderten-Lift als Selbstverständlichkeit betrachtet werden sollte in der Badi, ist nach und nach im Gespräch entstanden. Wie ihr seht, haben die Gespräche beim runden Tisch dazu geführt, dass das Verständnis für die andere Seite entstehen konnte und die Notwendigkeit diverser Massnahmen ersichtlich wurden.
Wir sind daher sehr dankbar, dass im Schlussbericht von Sensability klare Massnahmen zur Umsetzung empfohlen werden, um die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in acht verschiedenen Lebensbereichen zu verbessern. Im Fazit wird auf die hohe Bedeutung der Kompetenzen der Mitarbeitenden und Behörden für die Barrierefreiheit und für eine inklusive Gemeinde hingewiesen. Die Personen in Politik und Verwaltung sind der wichtigste Schlüssel für die Verbesserung der Barrierefreiheit. Diese Massnahmen sind gemäss Sensability mit höchster Priorität in Wetzikon anzugehen.
Der vorliegende Bericht des Stadtrates ist hingegen sehr allgemein und wage gehalten. Erst durch Nachfragen wurde uns im Dezember kurz vor der Parlamentssitzung der Bericht von Sensability doch noch zugestellt. Liebe Stadträt*innen, es gibt hier ganz konkret einiges zu tun, und es reicht aus unserer Sicht nicht, wenn ihr im Rahmen der Vision 2040 eine Inklusionsstrategie in den
nächsten 15 Jahren erstellt. Auch die zusätzliche Stelle bei der Abteilung Gesellschaft ist zu begrüssen, diese ist aber schon vor einem Jahr mit dem Budget 2025 bewilligt worden. Es braucht jetzt dringende Massnahmen zur Sensibilisierung und Schulung von Mitarbeitenden sowie der politischen Behörden in den Bereichen Dienstleistung, Bildung, Freizeit, Kultur, Sport, Arbeit und Beschäftigung. Zudem brauchen wir in Wetzikon Vorgaben zum Einbezug von Menschen mit Behinderungen für Projektverantwortliche (öffentlich zugängliche Gebäude und öffentlicher Verkehr/öffentlicher Raum), was ebenfalls eine Sensibilisierung und Schulung umfasst.
Wir erwarten daher einen klaren Plan für die Umsetzung der priorisierten Massnahmen mit entsprechender Berichterstattung auf der Grundlage des Schlussberichts von Sensability. Unter diesen Bedingungen sind wir bereit dem Bericht des Stadtrates zuzustimmen und das Postulat abzuschreiben. Wir werden ein Auge darauf halten und beobachten die Umsetzung mit grossem Interesse, damit auch unsere Stadt die Umsetzung der Uno-Behindertenrechtskonvention erfüllt.
Brigitte Meier Hitz, SP/AW Fraktion
26.01.2026
